Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. 5 Jahre ist es her, seit ich aufgeregt zum Gewerbeamt gefahren bin, um mich nun endlich selbstständig zu machen: mit der eigenen Eventagentur! Ein komisches Gefühl war das, vor allem, weil der eigentliche Akt sehr unspektakulär war. Formulare ausfüllen, Geld bezahlen, zack fertig. Schon bin ich Unternehmerin.

 

Eine schöne neue komplizierte Welt

 

Seit diesem Tag laufen die Uhren anders. Denn nun ist jede Stunde, jeder Tag eine weitere Möglichkeit, dem erfolgreichen Unternehmen ein kleines Stück näher zu kommen. Doch so einfach ist es nicht, das stellte ich schon nach den ersten Monaten fest. Das Leben als Unternehmerin ist sehr kompliziert: auf einmal musste ich mich mit Versicherungen, Banken, Behörden und anderen Institutionen befassen. Dabei wollte ich doch erstmal ein schönes Logo, eine schicke Visitenkarte und vor allem: Kunden!

Was mir heute mittlerweile in Fleisch und Blut übergeht, hat mich damals ganz schön gefordert und Unmengen an Zeit gekostet: Wie geht eigentlich Buchführung, welche Quittungen sind wichtig, welche Versicherung brauche ich als Unternehmerin und wo muss ich meine neue Firma eigentlich überall anmelden? Dann kam noch die Frage des Personals: Wo finde ich gute Mitarbeiter und wie muss die Abrechnung laufen? Viele neue, sehr komplizierte Vorgänge musste ich lernen. Und – alles auf einmal!

Natürlich wollte ich alles richtig machen und ganz sicher wollte ich keinen Ärger mit dem Finanzamt oder sonstigen Behörden! Aber der ein oder andere Erinnerungsbrief kam natürlich, ich hatte ja keine Ahnung, wie viele Rechte und Pflichten man als Unternehmerin hat. Doch nach einer Weile fand auch ich mich zurecht und merkte, dass nicht alles in drei Monaten perfekt ist. Gelassenheit ist das Stichwort. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das verstanden hatte.

 

Hochmotiviert, doch ohne Kunden

 

Wenn dann alles organisiert ist, die Werbeagentur das Logo nach meinen Vorstellungen gebastelt hat, der Computer eingerichtet ist, die Telefonleitung liegt und die Website steht, dann kommt die Erkenntnis: kein Kunde in Sicht! Auch regelmäßige Posts in den Social Media-Kanälen und mein wunderschönes Briefpapier in der Schublade änderten daran leider zunächst nichts. Doch neben Gelassenheit lernt man auch Geduld. Denn niemand kannte mein Unternehmen und meine Dienstleistung war auch nicht gerade weit verbreitet. Klar, Kindergeburtstage zu organisieren war nicht neu. Aber eine professionelle Betreuung bei Hochzeiten? Vielleicht gab es das schon in Amerika, aber in Hannover? Doch sie kamen, die ersten Kunden. Langsam, aber stetig.

 

Neuer Fokus: Erlebnisstände für Firmenveranstaltungen

 

In einem Gespräch mit Sanja Blumendorf, einer Freundin und Inhaberin der Eventagentur invite events, kam dann die zündende Idee: Warum nicht auch Kinderaktionen und -programme für Firmen und Unternehmen anbieten? Also B2B statt nur B2C. Ganz oft sind Kinder zum Tag der offenen Tür oder zum Mitarbeiterfest eingeladen, doch mehr als eine Hüpfburg ist dann selten für sie organisiert. Ich war gleich Feuer und Flamme, denn dort konnte ich mir kreative Konzepte überlegen, die viele Kinder und auch ihre Eltern begeistern würden.

So entstanden die Konzepte für die Erlebnisstände, bei denen es um mehr ging, als um reine „Kinderbespaßung“. Ich wollte erreichen, dass die Kinder und auch die Eltern wirklich etwas mitnehmen und Neues kennenlernen. Hinzu kamen immer mehr „Themenwelten“, bei denen die Aktionen und Kinderprogramme unter ein bestimmtes Motto fallen sollten. Indianer oder Zirkus zum Beispiel. In unserer ersten „Indianer-Werkstatt“ entstanden selbstgebauteTrommeln aus Tontöpfen, Traumfänger verziert mit Perlen und Federn und ein bunt bemaltes Tipi. Ein riesiger Spaß für die Kids, aber auch für mein Team und mich.

Das Konzept ging auf, denn heute betreuen wir hauptsächlich Firmen-Events.

Ein Team zum Pferde stehlen

 

Mir war schnell klar, dass meine wachsende Anzahl an Veranstaltungen nur mit einem Team aus sehr guten Mitarbeitern erfolgreich sein konnte. Nur wer hoch motiviert ist und Spaß am Umgang mit Kindern hat, kann sie wirklich begeistern. Eine vernünftige Bezahlung versteht sich von selbst. Kinder merken schnell, wenn das Gegenüber es nicht ernst meint und „nur seinen Job“ macht. Glücklicherweise fand ich diese tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Meist im Umfeld meiner eigenen Kinder. Praktikanten oder FSJler aus dem Kindergarten oder aber Studenten in der Erzieherausbildung. Das Team wuchs schnell und nach kurzer Zeit hatte ich rund 15 freie Mitarbeiter, auf die ich mich 100%-ig verlassen kann.

Die Stimmung im Team war – und ist bis heute – einfach großartig! Bei jeder Veranstaltung freue ich mich aufs Neue, mit diesen tollen Menschen zu arbeiten. Leider gab es im Team auch immer mal wieder Wechsel. Das Leben geht weiter und die jungen Studenten ziehen ins Ausland, in andere Städte oder beginnen einen Vollzeitjob. So kommen wieder neue Kolleginnen und Kollegen dazu. Auch das macht viel Spaß. Doch es gibt einige Mitarbeiterinnen, die mir schon seit 4 Jahren die Treue halten. Dafür bin ich sehr dankbar!

 

5 Jahre – der Blick nach vorn

 

Jetzt, nach 5 Jahren, haben sich die vielen Abläufe in meinem Unternehmen natürlich längst automatisiert. Die große Aufregung, wenn ein Kunde anruft und nach einem Angebot fragt, ist etwas verflogen (auch wenn ich mich über jeden einzelnen Anruf sehr freue!). Auch Absagen nehme ich heute nicht mehr persönlich, denn ich weiß, dass nicht jede Idee oder jedes Konzept zu jedem Kunden passt. Trotzdem muss ich mich, wie viele andere Unternehmer auch, täglich neu motivieren, mein Unternehmen zu verbessern, um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Das heißt auch, sich ab und an von Dingen zu lösen. So bieten wir beispielsweise keine Kindergeburtstage mehr an. Ein „alter Zopf“, den ich Ende 2017 „abgeschnitten“ habe. Das gibt wieder Zeit und Kraft für Neues.

Und an Ideen für die Zukunft mangelt es auf keinen Fall. Geht man mit offenen „Unternehmer-Augen“ durch die Welt, findet sich an jeder Ecke eine neue Geschäftsidee oder ein neuer Kooperationspartner, mit dem man Neues entwickeln kann. Es bleibt also spannend, wie die nächsten 5 Jahre aussehen werden. Ich freue mich darauf!

 

Vielen Dank Euch allen!

 

Doch zunächst bedanke ich mich bei allen, die mich in den letzten fünf Jahren und auch schon in der Phase davor so tatkräftig unterstützt haben. Gern würde ich sie hier alle namentlich nennen, doch die Liste wäre unglaublich lang und ich würde sicher trotzdem jemanden vergessen.

Daher nur ein ganz großes DANKE an alle Unterstützer, Wegbegleiter, Ideengeber, Kriesengesprächs-Partner, Daumendrücker, In-den-Arm-Nehmer, Netzwerker und Kooperationspartner. Ein ebenso großes DANKE an alle meine tollen Kunden, die mir teilweise schon jahrelang die Treue halten.

 

Und ein besonderer DANK an alle meine jetzigen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Ihr seid Raketenzeit!