Immer wieder begegne ich interessanten Menschen, die ein außergewöhnliches Unternehmen führen oder sehr spannende Dienstleistungen anbieten. Einer dieser Menschen ist Kerstin Hoffmann-Wagner, deren Vortrag mich auf der ITB in Berlin sehr begeistert hat. Sie beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Barrierefreiheit auf Veranstaltungen, ist Unternehmerin, betreibt einen sehr lesenswerten Blog und ist außerdem Mompreneuer* so wie ich.

 

Kerstin, erzähl uns kurz etwas zu Dir. Wer ist Kerstin Hoffmann-Wagner?

Ich bin 47 Jahre alt und Mutter von zwei Jungs. Nach einem Abschluss als Diplom-Bibliothekarin und anschließendem Studium mit Abschluss in Kulturmanagement habe ich viele Jahre als Senior-Referentin Eventmanagement in einem großen Frankfurter Finanzunternehmen gearbeitet, bevor ich mich 2012 als Eventberaterin selbstständig gemacht und mich als Trainerin habe zertifizieren lassen.

Als Unternehmerin steht die private Zeit oft hinten an, aber wenn ich Zeit habe, gehe ich laufen, um den Kopf frei zu bekommen, oder mache (jetzt ganz neu) Yoga. Gesundheit ist für mich ganz wichtig und ist Grundvoraussetzung für Aktivität privat und beruflich.

 

Du machst „Eventberatung“, was muss ich mir genau darunter vorstellen?

Im Prinzip nichts anderes als Hilfe zur Selbsthilfe mit Schwerpunkt im Event- und Messebereich. Zu mir kommen Solounternehmer, KMU, aber auch größere Unternehmen, die Impulse, Unterstützung oder Begleitung bei individuellen Fragen rund um ihre Events oder Messeauftritte brauchen. Dabei kann es z.B. um die Vermittlung von Grundlagen der Event- oder Messeplanung gehen, wie sie oft von Quereinsteigern in den Eventabteilungen der Unternehmen oder auch von Solounternehmen benötigt wird.

Aber auch Fragen nach speziellen Social-Media-Strategien für Events oder Messeaufträge gehören inzwischen zu meiner Beratung. Seit nunmehr drei Jahren biete ich darüber hinaus für sogenannte Eventprofessionals und Anbieter von Locations Beratung und Begleitung zum Thema barrierefreie Events und Messen an, ein Spezialangebot, das ich mit einer Kooperationspartnerin anbiete.

 

Auf welche Herausforderungen und Schwierigkeiten stößt Du innerhalb Deiner Beratung? Was ist für „neue“ Eventplaner das Schwierigste?

Ich glaube, jeder, der sich beruflich mit Events und anderen Veranstaltungen beschäftigt, hat schon einmal gehört, dass das doch jeder kann, das kann man doch alles selber machen, für Unterstützung muss man doch kein Geld ausgeben und so weiter. Veranstaltungsprojekte zu kreieren und zu realisieren, ist ein toller aber auch unheimlich fordernder und vielseitiger Job, der viel Know-how, Ideenreichtum und Flexibilität erfordert. Das kann man nicht „mal eben so nebenbei“ machen. Hier ist mitunter erst einmal Überzeugungsarbeit gefragt, viele kennen ein Angebot wie meines auch noch gar nicht. Aber wenn es zur Zusammenarbeit kommt, ernte ich viel Begeisterung und Zufriedenheit seitens meiner Kunden.

Für junge Eventprofessionals ist in meinen Augen das sich wandelnde Berufsbild die größte Herausforderung. Gerade erst wurden diverse Studiengänge dazu ins Leben gerufen, da entwickeln sich ständig neue Anforderungen. Der Beruf wandelt sich von einem reinen Eventplaner hin zu einem Event- und Communityplaner und -manager. Man muss die Digitalisierung im Auge behalten, die Chancen und Risiken kennen, aber auch in Themen wie Nachhaltigkeit oder eben im „ganz normalen Eventhandwerk“ fit sein.

 

Was war bis jetzt Dein spannendstes eigenes Projekt?

Jeder Kunde ist spannend, weil jeder Kunde mit einer ganz eigenen Fragestellung auf mich zukommt. Besonders herausfordernd sind aber sicher solche Projekte, bei denen mein gesamtes Event-Knowhow gefragt ist und ich in meiner Arbeit richtig in die Tiefe gehen kann.

Zum Beispiel durfte ich bei der Entwicklung eines neuen Award-Konzepts beraten oder als Event-Expertin bei der Wirksamkeitsanalyse im Bereich Messeauftritt eines großen, internationalen Kunden mitwirken. Aber auch jede Messeberatung für Solounternehmer ist immer wieder eine Herausforderung, weil gerade diese Kunden ganz genau wissen wollen, wie sie es neben ihrem Business stemmen können, einen erfolgreichen Messeauftritt zu realisieren. Völlig unterschiedliche Projekte und es gäbe weitere spannende Geschichten.

 

Wir stellen immer wieder fest, dass viele Firmen nicht mehr das übliche Event-Format mit steifen Vorträgen und aufgereihten Sitzreihen wollen, sondern sich an offeneren Konzepten orientieren, bei denen die ganze Familie zur Veranstaltung mit eingeladen ist. Siehst Du hier einen Trend?

Grundsätzlich bin ich immer offen für neue Trends und Entwicklungen. Mir fällt allerdings auf, dass viele Veranstalter, auch Firmen, sich eher auf die neuesten Trends und Hypes konzentrieren, um immer vorne dabei zu sein, als auf die eigenen Zielgruppen und Ziele. Nicht jeder Trend passt zu jeder Zielgruppe.

Was die Frontalbeschallung mit Vorträgen angeht, so sehe ich allerdings tatsächlich Handlungsbedarf, um die Teilnehmer nicht zu verlieren. Die Kunst ist, mehr Interaktivität zwischen Publikum und Redner zu erzielen, und das ist auf verschiedenen Wegen möglich. Allerdings erfordert das eine sehr gute Vorbereitung und nach wie vor Redner, die begeistern können.

 

Du hast selbst zwei Kinder. Nimmst Du sie manchmal mit auf Veranstaltungen oder zu den Messen, bei denen Du Vorträge hältst? Wie ist das dann für sie und für Dich?

Bisher habe ich das ehrlich gesagt noch nicht getan, zum Einen, weil sie noch zu jung waren. Zum Anderen trenne ich gern meine Arbeit von meinem Privatleben, weil ich mich so immer voll und ganz auf das jeweilige Thema konzentrieren kann. Allerdings habe ich mir vorgenommen zusammen mit meinem großen Sohn (fast 14) zum nächsten passenden BarCamp zu gehen.

 

Was sind für Dich die großen Entwicklungen oder Trends in der Eventbranche?

Dazu habe ich Ende des letzten Jahres gerade einen Blogbeitrag geschrieben. Für mich sind es fünf Bereiche, die die Veranstaltungen prägen – schon heute und auch in Zukunft: Nachhaltigkeit, Sicherheit, Storytelling, Barrierefreiheit und Digitalisierung. Alle diese Themen gehören zum Fundament von zeitgemäßen Eventkonzepten und hängen miteinander zusammen.

 

Ein echtes Steckenpferd von Dir ist das Thema „Barrierefreiheit auf Events“. Was ist das genau und wieso ist Dir das Thema so wichtig?

Tatsächlich ist das Thema Barrierefreiheit für Events und Messen inzwischen einer der wichtigsten Schwerpunkte meiner Arbeit geworden. Seit 2015 verfolge ich gemeinsam mit meiner wunderbaren Kooperationspartnerin Gudrun Jostes die Vision, Veranstaltungen und Messen für alle Teilnehmenden gleichermaßen zugänglich zu machen und zu einem Gewinn werden zu lassen.

Derzeit können viele Menschen an diesen Ereignissen gar nicht oder nur unter höchster Anstrengung teilnehmen, weil es für sie räumliche Barrieren, aber auch visuelle Barrieren gibt. Viele Eventkonzepte berücksichtigen die Einschränkungen der Besucher nicht,  da das Format z.B. von Rollstuhlfahrern nicht mit genutzt werden kann.

Unser Ziel ist es, Location-Betreiber, Veranstalter und Eventplaner darin zu unterstützen, ihre Projekte von Anfang an unter barrierefreien Gesichtspunkten zu planen und umzusetzen. Das beinhaltet neben der Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer unter anderem die Kommunikation über barrierearme Websites, die Verwendung von kontrastreichen Schriften oder den Einsatz von Mobiliar für große und kleine Menschen. Wir haben in unseren Beratungen immer alle Bereiche von Einschränkungen im Fokus – in der Mobilität, aber auch im Bereich Seh- und Höreinschränkungen. Letztlich können wir alle in die Situation kommen, auf Barrierefreiheit angewiesen zu sein – mit oder ohne Behinderung.

 

Wenn Du ein unerschöpfliches Budget hättest und Dein Traum-Event planen könntest, wie würde das aussehen?

Natürlich wäre das ein nachhaltig geplanter und barrierefreier Event, der hybride Elemente hätte, also moderne, digitale Technik einbinden würde, und bei dem die Teilnehmenden selber entscheiden könnten, ob sie ein Thema über Vorträge angehen möchten oder über ein anderes Format, z.B. mit BarCamp-Charakter oder einem World-Café. Und es gäbe wunderbare Bereiche, zum Netzwerken. Also eigentlich gar nicht so spektakulär.

 

Zum Schluss noch deine 3 Tipps für Eventplaner:

  1. Sammelt viel Praxiserfahrungen in unterschiedlichen Veranstaltungsarten
  2. Bildet Euch weiter
  3. Vernetzt Euch untereinander – vor allem die weiblichen Eventplaner könnten da noch etwas aufholen ☺

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

*Mompreneur: Setzt sich zusammen aus den Wörtern Entrepreneur (Gründer / Inhaber eines Unternehmens) und Mom (englisch: Mutter). Selbständige Frauen also, die außerdem noch Mütter sind.

Foto: Nadine Winkelmann

 

Weitere Informationen zu Kerstin und zu Ihrer Tätigkeit finden Sie unter: https://www.hoffmannevent.de